Japanisch-Deutsches Freundschaftskonzert - eine Nachlese

 

Grundidee der 2018 in Hamburg ins Leben gerufenen japanisch - deutschen Freundschaftskonzerte ist neben der Bekräftigung der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder das Gedenken an die Opfer der Fukushima-Katastrophe.
Am 11. März 2011, vor acht Jahren, bebte die Erde. Es kam zu einem gewaltigen Tsunami und in der Folge zu einer unkontrollierten Kernschmelze im Kernkraftwerk Fukushima. Ca. 20.000 Menschen verloren ihr Leben, viele Menschen ihre Heimat. Noch ist nicht klar, wie die Folgen behoben werden können. So kamen zum Kunstgenuss auch nachdenkliche Töne.
Auch in Deutschland wissen wir noch nicht, wo der Atommüll für eine Million Jahre sicher gelagert werden kann.

Kerngruppe des Konzertabends in der St. Petri-Kirche war das Bläserquintett Fianchetto, das seit 15 Jahren im norddeutschen Raum konzertiert. Elke Andersen, Querflöte, ist Gründungsmitglied (2003) des Hamburger Bläserquintetts Fianchetto.

Ergänzt wird das Quintett durch Junko Ikeda, Klavier und Katsuaki Ichikawa, Horn.

 

Beide haben in Deutschland studiert, leben heute aber wieder in Japan und gehen dort ihren vielfältigen konzer-tanten Verpflichtungen und Lehrtätigkeiten nach.

Die Verbindung zum Bläserquintett Fianchetto entstand durch Lothar Palmer, mit dem Ikeda und Ichikawa viele gemeinsame Konzerte in Deutschland und Japan bestritten.

 Auf dem Programm des Abends standen Werke von Leo Smit, Carl Reinecke und Hans Huber.

Ein noch weitgehend unbekannter Komponist ist der Niederländer Leo Smit.  Er verbrachte  viele Jahre in Paris, was seine Musik stark neoklassizistisch beeinflusste. Zusätzlich inspirierte Smit die Musik der 20er Jahre, Rhythmus und Melodien des Jazz. 1943 wurde er seiner jüdischen Herkunft wegen von den Nationalsozialisten im Vernichtungslager Sobibór ermordet.
Wir hörten ein Sextett in C-Dur, welches fröhlich ruppig begann; im 2. lento begann das Klavier sehr langsam und die Oboe mit ihrem warmen Klang setzte ein, im 3. vivace wurde es dann wieder lebendig.

Nun folgte ein  Sextett in Bb-Dur von Carl Reinecke, allerdings ohne Klavier und mit einem zweiten Horn beeindruckend gespielt von Katsuaki Ichikawa.

Carl Reinecke, der geborene Hamburger hatte das Gewandhausorchester  in Leipzig geleitet, 35 Jahre länger als jeder andere Dirigent, und daneben am Konservatorium der Stadt gelehrt, dessen Direktor er von 1897 bis 1902 war. Damit war er gleich doppelt in die Fußstapfen Felix Mendelssohns getreten, der beide Institute zu dem gemacht hatte, was sie heute noch sind. “Ich bin mir ganz klar darüber, dass ich in der Gegenwart keine Rolle mehr spiele”, vermerkte er nüchtern und ohne Anflug von Sentimentalität am Ende eines langen arbeitsreichen Lebens.
 
Carl Reinecke trat aus dem Schatten des großen Vorgängers mit Selbstbewusstsein heraus: Als glänzender Pianist und souveräner Dirigent, Musikschriftsteller und Lehrer war er eine Autorität, und im zähen Ringen mit den Leipziger Bürgern gelangen ihm sogar gewagtere Programme und flexiblere Strukturen im konservativen Musikleben.  
Das Sextett, op. 271, gehört zu Reineckes letzten Werken. 1904 komponiert, ist es ein Zeugnis für geniale „Stilmischung“. Anklänge an Wagner und Strauss paaren sich zwanglos mit Brahmsscher Motivtechnik und Regerschen Modulationen. In der Besetzung erweiterte Reinecke das klassische Bläserquintett aus Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott um ein zweites Horn, um mehr Klangvolumen zu gewinnen.
Im 2. Teil beginnen beide Hörner sehr langsam und werden dann immer lebhafter, aber nicht zu sehr.
Im Finale hat Reinecke den humoristischen Qualitäten der Bläser freien Lauf gelassen. Da quäkt die Oboe, flirrt die Flöte, tönen die Hörner vollmundig.  Zuletzt verwandelt sich das Thema in einen sentimentalen langsamen Walzer, womit der Satz den Ton gehobener Kaffeehausmusik streift.

Nach den lebhaften Gesprächen und einer Erfrischung in der Pause folgte eine große Sinfonie in Bb-Dur von Hans Huber, ein Schüler Carl Reineckes.

Hans Huber gehörte zusammen mit Hermann Suter und Friedrich Hegar zu den führenden Musikerpersönlichkeiten in der deutschsprachigen Schweiz um die Wende zum 20. Jahrhundert. Das Sextett komponierte Huber 1898 in einer arbeitsreichen Zeit, als er neben Privatunterricht und verschiedenen Ämtern auch Leiter des Basler Gesangvereins wurde.

 

Das Werk erklang erstmals am 11. Juni 1900 im Rahmen eines Solistenkonzertes dieses Vereins im Musiksaal des Casinos Basel.

Junko Ikeda zeigte am Flügel ihr grandioses Können. Besonders im 3. adagio ma non troppo beginnt die Pianistin, und die Oboe setzt ein.
Das Bläserquintett Fianchetto Elke Andresen (Querflöte), Arne Gruetzmacher (Oboe), Mirko Brandes-Becker (Klarinette), Laurenne Sideen (Horn) sowie Lothar Palmer (Fagott), der das Konzert organisiert hatte, sowie als Gast Katsuaki Ichikawa (Horn) und Junko Ikeda am Flügel waren hervorragend aufeinander eingespielt.

Heute fand in der Petri-Kirche ein sehr anspruchsvolles Konzert statt, welches doch mehr Besucher verdient gehabt hätte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die letzten Takte verklangen, und die Zuhörer applaudierten anhaltend, bis der Wunsch einer Zugabe erfüllt wurde – die  Musiker spielten den wunderschönen Popsong Hana Wa Saku (花は咲く) – Blumen werden blühen (E-Dur), und mit diesen  wunderschönen Klängen trat ein jeder seinen Heimweg an.

in diesem Sinne
Christa Weyres-Haubenreißer

 


 

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