Unsere "Petri-Sterne" singen am See!

 

Auf dem 14. KulturSommer am Kanal, dem Kunst- und Kulturfest im Kreis Herzogtum Lauenburg, darf das Chorfestival „Singen am See“ in Behlendorf nicht fehlen - unter der Leitung von Susanne Dieudonné (Gesangspädagogin und Chorleiterin), welche erfrischend und humorvoll durch das Programm führte.

Der Behlendorfer See liegt bei Behlendorf im Naturpark Lauenburgische Seen westlich von Ratzeburg – ein herrlicher Sommertag mit 35 Grad, es war heiß, jedoch die großen alten Bäume spendeten Schatten, und auch eine leichte Brise vom See brachte des öfteren eine angenehme Erfrischung.

Der Initiator Burckhard Blanck kündigte noch einen kurzen Soundcheck an, und dann ging es auch schon los...mit dem VHS-Chor „Sing Sang Song“ aus Schwarzenbek - deren Motto lautet:  „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ -  unter dem Chorleiter Dmitri Tepliakov.

 

Sie eröffneten das Chorfestival mit dem traditionellen afroamerikanischen Spiritual „Rock my soul“ orientiert sich inhaltlich an einer biblischen Erzählung aus dem neuen Testament (Das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus). Im Lied gibt es die Wechselwirkung zwischen den Stimmen, vom tiefen Grollen bis zu den höchsten Tönen.

 

Anschließend folgte „Ohne Krimi geht die Mini nie ins Bett“ 1962 bekannt geworden durch Bill Ramsey.

 

Heinz Nestler begleitete mit der Gitarre das Publikum zusammen mit dem Kirchenchor aus Breitenfelde beim gemeinsamen Singen „Seemann lass das Träumen...deine Heimat ist das Meer“, der Titel eines Evergreens aus dem Jahre 1960...

 

Der Kantor der Breitenfelder Kirchengemeinde, Eugen Glaser-Riegeler, auch bekannt durch die Uraufführung seines Chor- und Orchesterwerkes, der Breitenfelder  Tonleitermesse, überraschte Susanne Dieudonné mit einem kleinen Geburtstagsständchen am E-Piano.

 

Der Wunsch nach Frieden hat die Menschen von Beginn an erfüllt, jenseits aller Grenzen im politischen und konfessionellen Umfeld.

„Lord, grant us peace“ - Verleih uns Frieden gnädiglich, Martin Luthers zeitlose Bitte um Frieden in einer klassisch modernen geistlichen Chorkomposition hörten wir nun vom Kirchenchor aus Breitenfelde.

Eugen Glaser kämpfte mit dem Saharawind und den Noten, denn er hatte noch eine musikalische Überraschung für das Publikum vorbereitet  „Es schwimmt kein Pinguin im Behlendorfer See, aber sonst ist hier alles ganz ok“, ein Lied mit sehr vielen Strophen...

Der VHS-Chor „La Musica“ aus Büchen sang den Foxtrottschlager „Ausgerechnet Bananen“ aus dem Jahre 1922 – nicht Mangel diktiert die Aussage, sondern die Laune einer Frau: Sie will aus der Auswahl von Speisen, die ihr Verehrer aufzählt, „ausgerechnet Bananen“ haben.

Weiter erfreuten uns die Büchener Sänger und -sängerinnen mit einer plattdeutschen Liebeserklärung „Du ick hebb di so leev“. Der herausragende Pianist und Chorleiter Dmitri Tepliakov versteht es, die nicht mehr ganz jungen Chormitglieder so zu motivieren, dass sie mit großer Sangeslust und Lebensfreude das Publikum begeisterten.

Neben dem Gospelchor für Erwachsene gibt es in Nusse auch einen für Kinder, „Nusser Gospelkids“... beide unter der Leitung von Susanne Dieudonné.

Nun waren wir gespannt auf die Premiere der „Nusser Gospelkids“- drei junge Mädchen begeisterten mit dem Song „Assante sana“ ist Swahili und heißt auf Deutsch: Vielen Dank.

Die afrikanische Musik hat nicht unsere siebenstufige Tonleiter, sondern hat nur fünf Töne. So gibt es immer die typischen pentatonischen Sprünge und keine Halbtonschritte, wie sie in europäischen Liedern normal sind. Dadurch können traditionelle Sänger nur schwerlich europäische Lieder für unsere Ohren „sauber singen“. Wir Europäer haben im Gegenzug Mühe, uns in die für jeden Stamm unterschiedliche Pentatonik einzuhören, mitzusingen oder gar zu leiten. Die Töne haben oft kleine Nuancen nach oben oder unten, die wir gar nicht wahrnehmen und dann einfach „falsch“ singen, weil wir es nicht besser können. Aber das tut der Freude und Gemeinschaft miteinander keinen Abbruch. In Afrika ist es viel wichtiger, dabei zu sein und mitzumachen, als „richtig“ oder „falsch“ zu singen.

 

Von den Gospelkids erklang noch „Kumbaya, my Lord“ - Komm hier her, mein Gott! Der Text des alten Spirituals ist ganz schlicht, jedoch sehr eindrücklich – gesungen ursprünglich von Menschen, die als Sklavenarbeiter auf den Plantagen im Süden der USA oft unsägliches Leid erdulden mussten...

 

 

Das Publikum bedankte sich mit reichlich Applaus, und die erwachsenen Gospelsänger und -sängerinnen setzten das Programm fort.  Der Text von diesem Gospelsong „Wade in the water“ spricht von Moses und dem Waten durch Wasser und erinnert an die Flucht des israelitischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten.

 

Bei dem nun folgenden Song groovt das Publikum stehend mit: „Siyahamba“ - „wir marschieren“ oder „wir gehen“, ein mündlich überliefertes Zululied. Wenn am Ende des Tages die Arbeit getan ist, sitzen die Einwohner kleiner Dörfer im Zululand in Afrika häufig unter den großen Affenbrotbäumen zusammen. Sie singen von ihrem Glück, der Sonne und vom Tanzen. Sie sind zufrieden und glücklich mit ihrem einfachen Leben.

 

Vor der Pause begeisterten uns der Kinderchor „Die Petri-Sterne“ der Gemeinde St. Petri aus Ratzeburg. Von acht singbegeisterten Kids hörten wir vier Songs, welche Heinz Nestler mit kleinen Soloeinlagen auf der Gitarre und Regina W. Boysen vocal von der Kirchenband „Weggefährten“ begleiteten...

 

Dieses gefühlvolle Lied „Mögen Engel dich begleiten“ ist als Tauflied entstanden, wird jedoch gern auch auf anderen Veranstaltungen gesungen...

 

„Ins Wasser fällt ein Stein“... das Lied hat für mich, von der ersten Strophe an genau diese gedankliche Schiene: etwas fängt klein an und wird dann groß. Ein kleiner Funke reicht, damit alle, die umher stehen, sehen, wie ein Feuer entfacht wird, und dann heißt es: So ist es mit Gottes Liebe. Wenn man die erfahren hat, dann möchte man diese Liebe an alle weitergeben“...

 

Möge die Straße uns zusammen führen“ ist der Titel eines mehrstimmigen Chorliedes, welches auf der Textvorlage eines traditionellen irisch/keltischen Segensspruchs basiert. Der Urheber (Markus Pytlik) verwendete das Harmonieschema von Pachelbels „Kanon in D-Dur“, was wohl die Eingängigkeit und Beliebtheit des Liedes mitbeförderte. Lang anhaltender Applaus belohnte die sangesfreudigen Kids unter der Leitung von Karina Turowski.

 

Nach der Pause sangen wir alle zusammen mit dem Kirchenchor sowie Eugen Glaser am E-Piano „Wochenend und Sonnenschein“, ein Lied, das natürlich jeder kennt. Umso interessanter ist ein näherer Blick darauf. Es erschien zur frühen Glanzzeit der ersten deutschen Boygroup, den Comedian Harmonists im Jahre 1930; und noch eine junge Errungenschaft beflügelte ihren großen Erfolg: das Radio. Zum ersten Mal ließen sich Musik und Nachrichten überall hören, egal wo man sich befand, und das mitunter live.

 

 

Die Breitenfelder Musikanten erfreuten uns mit dem Lied „Auf Seele Gott zu loben“, welches 2015 im Eröffnungsgottesdienst zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart erklang. Und gute Laune im Viervierteltakt: Nach dem verlorenen Krieg halfen deutsche Evergreens, die Bundesbürger wieder in Stimmung zu bringen – mit Liedern, die sie auch verstanden „Pack die Badehose ein“, 1951 gesungen von Cornelia Frobess - und wir sangen alle mit!

 

Dmitri Tepliakov griff noch einmal sehr rhythmisch in die Tasten, als seine Büchener Chormitglieder alte Schlager zum besten gaben: „Was macht der Maier am Himalaya?“ lautet der Kehrreim eines Foxtrottschlagers aus dem Jahre 1926; „Mein Gorilla hat 'ne Villa im Zoo" aus dem Film „Heut kommt's drauf an“ aus dem Jahr 1933.

 

„Willst du glücklich sein im Leben, dann sei es“ (Leo Tolstoi). Unter diesem Motto hörten wir von dem Schwarzenbeker Chor zwei nicht so einfache Stücke:

Happy“ von Pharrell Williams, ein Song, der für gute Laune sorgt (dieser Musiker weiß einfach, wie man Leute zum Tanzen bringt – im Hintergrund spielt moderner Clap-Soul) und „Arielle, die Meerjungfrau“ , einer der populärsten Disney-Filme, und viele heute Erwachsene verbinden selige Kindheitserinnerungen mit der zauberhaften Unterwasserwelt - „Unter dem Meer“ von Alan Menken mit seinem feinen Sinn für Humor.

 Der Abend neigte sich dem Ende, und die letzten Songs erklangen von den großen und kleinen Gospelsängern und -sängerinnen aus Nusse...

 „Oh, I Know the Lord's Laid His Hands on Me“ von Charles Hayes, dem amerik. Gospelmusiker und Pastor. Der afroamerikanische Gospelsong „This little light of mine“ stammt aus der Zeit der Sklaverei – der Gesang der Sklavenarbeiter auf den Baumwollfeldern. Wiederentdeckt und populär gemacht wurde er in den 1960er Jahren durch die amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Er verströmt so viel Kraft und Lebensfreude, als wäre der Überlebenswille unendlich vieler Menschen in das Lied eingegangen.

Der Titel des afrikanischen Traditionals „Malaika“ bedeutet auf Suaheli „Mein Engel“ und wurde durch die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba weltbekannt. Auch viele andere Interpreten begeisterten ihr Publikum mit diesem zärtlichen Liebeslied. Der neue englische Text von Stuart Smith erzählt die traurige Geschichte eines jungen Mannes, der das Gefühl hat, seine Angebetete nicht heiraten zu können, weil er zu arm ist.

 

Weiter ging es mit dem Zulu-Traditional „Singabahambayo“ - wir marschieren für die Freiheit – ist ein südafrikanisches Lied aus dem Kampf gegen die Apartheid. Wie alle Stücke, einfach aufgebaut, mit wenigen Zeilen, die sich immer wiederholen, während der Chor die Intensität steigert. Sehr effektiv, um Bewegung in ein Publikum zu bringen, melodiös, rhythmusbetont und durch die Wiederholungen fast meditativ.

 

Das Publikum genießt den Mix und dankt für die engagierten Auftritte mit kräftigem Applaus und Bravorufen. Ganz besonderer Dank gilt auch den Helfern für Bühne und Tontechnik, die noch im letzten Augenblick für eine gute Akustik gesorgt haben!

 

Das letzte Lied sangen wir alle gemeinsam... „Kein schöner Land in dieser Zeit“ - eines der gegenwärtig bekanntesten und beliebtesten Volkslieder aus dem Jahre 1840. Es ist ein Abendlied, welches ein starkes Solidaritätsgefühl und die Sehnsucht nach einer friedlichen und harmonischen Welt zum Ausdruck bringt...und so verließen wir völlig entspannt, bei inzwischen sehr angenehmen Temperaturen, die Wiese am Behlendorfer See.

in diesem Sinne

      

        Christa Weyres-Haubenreißer

 


 

 

 

 

 

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