Freitag, 20 September 2019 21:15

All you need is love! - eine Nachlese

 

Wir haben warme herbstliche Temperaturen und die frühen Besucher - empfangen, begrüßt und mit Liedblatt ausgestattet von der kleinen Kira,  suchten sich ihren Platz und lauschten gespannt dem soundcheck. Und als die Kirche dann fast voll besetzt war, das Glockengeläut verhallte, erklangen die ersten Töne des songs „All you need is love“ mit der Gemeindeband „Weggefährten“ unter der Leitung von Heinz Nestler sowie dem Gospelchor aus Ziethen, den „Laurentius Ladies“ unter der Leitung von Christina S. Meier.

Pastorin Wiebke Keller eröffnete den Gottesdienst mit den einfühlsamen Worten:“Gott ist die Quelle des Lebens und der Liebe, Jesus Christus hat uns die Liebe Gottes nahe gebracht, und der Heilige Geist stärkt uns, in Liebe miteinander zu leben. Amen“

 

Nun spielte die Band „Do Wah Diddy“, das ist eine Floskel ohne Sinn – aber eine mit einer langen Geschichte. Denn die Wortschöpfung "Do Wah Diddy" geht zurück auf den amerikanischen Komiker Jack Benny. 1948 hat der in seiner Fernseh-Show einen Gast das Städtchen Do Wah Diddy auf einer Landkarte suchen lassen - nur gibt es diese Stadt gar nicht. „Manfred Mann“ und Co. landeten 1964 mit ihrer Version ihren ersten Hit in Amerika, einen Nummer-Eins-Hit.

Gospel ist eine sehr berührende, mit Seele und Geist gefühlte, inspirierende Musik. Es kommt darauf an, welches Lied man singt oder hört und in welcher Stimmung man ist, aber oft empfängt man durch Gospelmusik Frieden, Freude, Ermutigung, Inspiration.

„Let my light shine bright“ - Lass mein Licht erstrahlen; ein Trad. Spiritual der Sklaven Nordamerikas im 18ten Jahrhundert, in dem sie trotz Not und Verzweiflung ihrem Vertrauen auf Gott und ihrer Hoffnung auf Erlösung Ausdruck verleihen. Diesen beliebten Gospelsong mit einem stimmungsvollen meditativen Einleitungsteil hörten wir von den „Laurentius Ladies“.

 

Die Band, mit einem  Solopart der Sängerin Regina W. Boysen, begeisterte mit dem song „Walk on by“ aus dem Jahre 1961 - das für einen Country-Song der damaligen Zeit mit einem ungewöhnlichen Text...(nach leichter Veränderung des Refrains entstand ein Song über die Liebe zu einer verheirateten Frau, die der Öffentlichkeit verborgen bleiben soll. Man trifft sich außerhalb der Stadt und tut so, als ob man sich nicht kenne)... versehene Stück mit dem markanten Gitarrenspiel von Hank Garland wurde zu einem Standard der Country-Musik.

Vor wenigen Wochen trat der 91jährige Komponist Burt Bacharach, in der Elbphilharmonie auf und präsentierte seinen song zusätzlich mit einem von ihm arrangierten Flügelhorn.

Handclap gabs von den Besuchern bei „He's got the whole world in his hands“ - ER hält die ganze Welt in seinen Händen – ist ein traditioneller afroamerikanischer Spiritual aus dem Jahre 1927 und wird gern im Tonartwechsel gesungen.

 

Wiebke Keller erzählt im Zusammenhang mit dem gezeigten Kurzfilm „Charly Brown – It's your first kiss“ vom „Homecoming“, einer jährlichen Tradion an einigen Universitäten in den USA mit beliebten Höhepunkten, und sie leitete über zum Judaskuss - Schliesslich spielt der Kuss in der Bibel eine grosse Rolle. Der berühmte „Judaskuss“ - wie geht Jesus damit um? Gerade an Judas wird deutlich, wie weitreichend die Gnade Jesu ist, und wie bedingungslos seine Liebe. Er lässt ihn am Abendmahl teilnehmen und spricht ihn sogar, in Gethsemane, als „Freund“ an.

Und sie erzählte vom Hohelied Salomos „...ja, deine Liebe ist köstlicher als Wein“ und „daß auch viele Wasser nicht mögen die Liebe auslöschen“ und vom Brief des Apostel Paulus an die Kirchengemeinde von Korinth „Ihr dürft euch jetzt küssen“, dann steht dahinter natürlich der große Wunsch, sie mögen sich versöhnen, den Streit beilegen, aufeinanderzugehen –

 

und, ja, sich umarmen und küssen.       

 

Besonders berührt haben mich der Chor und die Band mit dem gefühlvoll vorgetragenen song „Nights in white satin“,

 

                    

 

im Original eine siebeneinhalb Minuten lange Rockballade mit bombastischen Orchesterklängen aus dem Jahre 1967 von „The Moody Blues. Ray Thomas verlieh dem Liebeslied "Nights in white satin" mit seiner Querflöte und seiner Backgroundstimme die Leidenschaft, die bis heute berührt.

 

„Oh Happy Day“ Oh fröhlicher Tag, die Kirchengemeinde sang begeistert und rhythmisch klatschend mit, ein altes Kirchenlied und ist 1969 weltbekannt geworden durch den amerikanischen Sänger Edwin Hawkins – er gab uns seine Botschaft von Liebe, Leben und Zuspruch, die er in seine Musik eingebracht hat, die Hoffnung, dass wir uns im Himmel wiedersehen und „Oh Happy Day“ singen werden.

 

Nach dem Schlusssegen hörten wir noch einige songs u.a. „The Under Assistant West Coast Promotion Man“. Dieser Song ist repräsentativ für Insider der Musikbranche, die geschäftlich tätig sind - die Leute, die nichts Kreatives zu bieten haben, sich aber als wichtig für den Prozess erachten; 1965 beschrieben die Rolling Stones in diesem Song einen Mann, der glaubt, er sei weitaus wichtiger als er tatsächlich ist.
„Hey Jude“ aus dem Jahre 1968, und auch heute ist der Song ein beliebter Klassiker. Doch was macht den Erfolg von "Hey Jude" aus? Vielleicht liegt es ja an der berührenden Geschichte, die hinter dem Song steckt. Denn ursprünglich komponierte Paul McCartney das Lied für John Lennons Sohn, Julian. Kurz vorher hatte Lennon sich von seiner Frau Cynthia scheiden lassen und der Kleine litt gewaltig unter der Trennung seiner Eltern. Um Julian aufzuheitern, setzte sich Paul kurzerhand ans Klavier und herausgekommen ist dieser grandiose Hit.

 

Das Schlusslied bildete – wie immer – der Song von den Dave Clark Five: „Glad all over“ aus dem Jahre 1963. Wir hoffen sehr, dass die Gottesdienstbesucher genau dies empfanden: „Ich fühle mich rundherum glücklich!"

 

Nach dem Konzert ließen wir noch lange den Abend ausklingen, mit einem Glas Wein in der Hand und anregenden Gesprächen - wir genossen unser Gemeinschaftsgefühl.

Altar und alternativ passen gut zusammen. Zumindest in der evangelischen Kirchenmusik. Die Bandbreite des klingenden Gotteslobs reicht von Klampfe bis Keyboard, von Pop und Rock über Folk und Funk bis hin zu Soul, Gospel und Jazz. So sehr sich die Stile und Ausdrucksformen unterscheiden, eins haben sie gemeinsam: die Freude an selbstgemachter, zeitgemäßer Musik, die das Gemeinschaftserlebnis stärkt und dem musikalischen Geschmackswandel auch in der Kirche lebendigen Raum gibt;

 

in diesem Sinne

Christa Weyres-Haubenreißer

 

 

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