"All you need is love" - eine Nachlese

 

...wer Pop, Rock und Jazz bevorzugt, sollte diese Musik in der Kirche finden können; die Vielfalt lebt und sie ist erwünscht. Musik hören ist eine Sache, Musik machen eine andere. In den Kirchengemeinden sind, anders als im Konzert, Selbersingen und Selberspielen angesagt – und es füllte sich so langsam unsere Petrikirche, neugierig auf den musikalischen Gottesdienst.

 

Eingangs erklärte Heinz Nestler, dass er und seine Band, die Weggefährten, sämtliche Playbacks selbst herstellen, sozusagen handgemachte Musik; und in der Moderation ermunterte Pastorin Wiebke Keller zum Mitsingen anhand der verteilten Liedtexte, und die Band begann - gemeinsam mit dem Gospelchor - schwungvoll mit dem Mottolied, das immer zu beginn dieses "Gottesdienstes der etwas anderen Art" erklingt: "All you need is love"

Hier ein Live Mitschnitt:

    

 

Es war an einem Freitagnachmittag im Juli 1964. Roy Orbison saß zu Hause in der guten Stube und wollte mit seinem Kollegen Bill Dees einen Hit schreiben. Aber irgendwie kamen die beiden nicht so recht voran. Plötzlich schaute Mrs. Orbison hinein und fragte, ob sie etwas Geld zum Shoppen bekommen könne. Roys Kollege Bill meinte daraufhin ganz charmant: "Schöne Frauen brauchen doch kein Geld!" Oder wie man in Amerika sagt: "Pretty Woman never needs any money!" Wie Mrs. Orbison darauf reagiert hat, ist nicht bekannt, aber sie machte sich auf klackernden Stöckelschuhen auf den Weg in die Stadt. Bill klopfte den Rhythmus ihrer Schritte auf dem Couchtisch nach, und Roy hatte plötzlich die Idee zu der lange gesuchten Textzeile: "Pretty Woman, walking down the street, Pretty Woman, the kind I like to meet …"

Resonanz, das ist, was beim Hören den entscheidenden Effekt auslöst; die magische Zutat einer Schallplatte. Resonanz hatte in den sechziger Jahren vieles. Besonders im Süden der USA, dem „deep south”, dem letzten Bollwerk der Rassentrennung. Und so flossen am Oberlauf des Tennessee, in Muscle Shoals im Studio von Rick Hall, viele kulturelle Strömungen und wirtschaftliche Ambitionen zusammen.

Die kurioseste Geschichte lieferten allerdings die Rolling Stones, die 1964, als sie noch kein eigenes Material hatten, das Rhythm and Blues- Lied You better move on von Arthur Alexander aufnahmen, dem einstigen Gepäckträger eines Hotels in Muscle Shoals, und der erste Hit aus dem Studio von Rick Hall.

Die Laurentius Ladies aus Ziethen unter der Ltg. von Christina S. Meier am Piano sangen Lord I lift your name on high, der Klassiker unter den christlichen Worshipliedern. Text und Musik stammen von Rick Founds; während seiner morgendlichen Andacht – er las die Heilige Schrift am Computermonitor – zupfte er gleichzeitig seine Gitarre und schrieb diesen song...

- sowie sehr rhythmisch vorgetragen Heaven is a wonderful place - dieser kleine Gospel-Hymnus mit großer Wirkung hat in vielen Chören einen festen Platz im Repertoire. Unbeschwert swingend und voll Zuversicht drückt der song die gläubige Überzeugung aus, einmal in einem himmlischen Jenseits anzukommen.

 

Die Peanuts werden 70 Jahre alt, und deren Hauptfigur Charlie Brown erfreute uns mit dem Clip „Sie hat „Hallo“ gesagt, dessen Unterstützung und Liebe seines treuen Freundes Snoopy er sich immer gewiss sein kann. Wer liebt, riskiert auch verletzt zu werden, und Pastorin Wiebke Keller erinnerte an die Passionszeit, Leidenschaftzeit, und zitierte aus dem Johannesevangelium (3:16) „Also hat Gott die Welt geliebt...“, bis zum Ende und immer. „Liebe ist stärker als der Tod“, schrieb schon Paulus an die Gemeinde in Korinth. Die Liebe Gottes kann alles verändern; sie verändert den Blickwinkel, die innere Einstellung.

Und so schauen wir gen Himmel, in A-moll, und hörten zwei weitere songs...

das Titellied des Musicals "Hinterm Horizont" handelt von der Liebe Udo Lindenbergs zu einem Mädchen aus Ost-Berlin. Als er 1986 "Hinterm Horizont" schreibt, hat er die Mauer allerdings nicht im Sinn. Udo Lindenberg sitzt in einem Hotelzimmer in Timmendorfer Strand und schaut auf die Ostsee. Kurz zuvor hat er seine langjährige Weggefährtin Gabi Blitz verloren. Sie war im Alter von gerade mal 33 Jahren gestorben. Da kommt ihm die Idee zu dem Song "Horizont". Udo und Gabi waren "ein Paar wie Blitz und Donner", wie es im Text heißt. Und bei aller Trauer spürt Udo Lindenberg: Es geht weiter, auch nach dem Tod - hinterm Horizont.... wunderschön gesungen von Heinz Nestler und Regina W. Boysen...

 

Und an dieser Stelle sei Swetlana Köhler erwähnt; sie sitzt unermüdlich am Mischpult und versteht es, aus den verschiedenen Klängen den perfekten sound abzumischen.

 

Es war einfach eine verdammt gute Idee! Ein Musikstück mit einem ausgehaltenen Ton zu beginnen, der eine gefühlte Ewigkeit dauert und dabei mit jeder Sekunde ein mehr an Spannung aufbaut. Dazu eine Basslinie in gleichmäßigen Achteln (walking bass), die mit ihrem stufenweisen Abstieg einen wirkungsvollen Gegenpol zum Melodieton bildet – jeder Ton ausdrucksstark gespielt von Heinz Nestler.

Als Gary Brooker A Whiter Shade Of Pale 1967 aufnahm, war es gerade Mode geworden, klassische Elemente in die Rockmusik zu übernehmen...dass bei „A Whiter Shade Of Pale“ auf die Idee der Bachschen Air zurückgegriffen wurde, kann man sehr gut heraushören.

 

Gospelmusik macht einfach Spaß und versetzt in eine fröhlich-ausgelassene Stimmung. Gospel gibt Kraft für den Alltag und verbindet ganz unterschiedliche Menschen; das begeistert Kirchennahe und Kirchenferne.

Chor und Klangkörper musizierten gemeinsam Oh Happy Day, und die Gemeinde sang noch verhalten mit... doch bei dem Mean Mama Blues (mit Gitarrensolo) und You are good erlebten wir stimmungsvolle handclaps.

A love like yours, ein Klassiker der sechziger Jahre, in welchem beschrieben wird, wie eine Frau ihren Geliebten für seine Liebe preist, nachdem sie ihm sein Herz gebrochen hat, und er ihr dennoch sagt, dass er sie liebt... hörten wir sehr ausdrucksstark gesungen von Regina W. Boysen  (Weggefährten)

 

Lamplight...mit diesem schönen Lied aus 1969 begann der Konkurrenzkampf zwischen Barry & Robin. Weil Lamplight eine B-Seite war, fühlte sich Robin vom Manager der Band, Robert Stigwood, vernachlässigt und verließ die Bee Gees. Von den drei Brüdern war es Robin Gibb, den es immer wieder drängte, Neues auszuprobieren. Das brachte ihm den Ruf ein, der Schwierige, der Sensible, der Exzentrische des Trios zu sein. Doch letztendlich kehrte er immer wieder zurück in das Familienunternehmen...

und die Gemeinde sang den Refrain „Lamplight keep on burning till this love of yours is mine“.

Nach einer langen Nacht im Jahre 1965 versuchte Lennon aufgrund seines Gemütszustands einen guten Song mit tieferer Bedeutung zu schreiben und widmete sich bis in die frühen Morgenstunden diesem Vorhaben. Er drohte daran zu scheitern und legte sich hin, um zu schlafen. Im Moment der sich anbahnenden Ruhe hatte er mit einem Schlag das gesamte musikalische und textliche Konzept für Nowhere Man fertig in seinem Kopf. Als Paul McCartney einige Stunden später bei Lennon erschien um mit ihm zu komponieren, fand er diesen schlafend auf einer Couch vor: mit einem fertigen song.

 

 

Zum Ende des Gottesdienstes wurde als Zugabe nochmal Glad all over gesungen, und wir standen noch lange zusammen bei einem Gläschen Wein und genossen das zwischenmenschliche Miteinander in unserer lebendigen Gemeinde!

      in diesem Sinne

         Christa Weyres-Haubenreisser

 

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