„Demokratie leben!“ - Ehrung für Superintendent Johannes Peter Lange

 

Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ hat die „Partnerschaft für Demokratie“ der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen das vom BUND vorgeschlagene Projekt „Apfelbäume für Meinungsfreiheit und Erinnerung“ Anfang Februar 2020 bewilligt.

Der Korbiniansapfel oder KZ-3 ist eine der Apfelsorten, die der katholische Theologe Korbinian Aigner während seiner Gefangenschaft im KZ Dachau züchtete, wohin er wegen seiner anti-nationalsozialistischen Haltung gebracht worden war. Die Mitglieder des BUND wollen den Superintendenten Johannes Lange mit zwei Apfelbäumen an der Stadtkirche ehren und zugleich an Aigner erinnern, dessen Korbiniansapfel zu einem biologischen Mahnmal gegen Gewaltherrschaft geworden ist. Die Pflanzung findet am Buß- und Bettag, 18.11.2020, im Rahmen einer Andacht mit Pröpstin Frauke Eiben statt.

Zur Erläuterung:

Die Sankt-Petri-Kirche war 30 Jahre lang die Predigtstätte von Johannes Peter Lange (geb. 1867 in Hostrup - gest. 1953 in Klein Brodersby), der seit 1914 als Landessuperintendent in der damals noch relativ selbstständigen Lauenburgischen Kirche wirkte. Die Lauenburgische Kirche gehörte als Sprengel zur schleswig-holsteinischen Landeskirche, war aber mit Sonderrechten ausgestattet. Die Sonderrechte seines Sprengels wusste Superintendent Lange in der NS-Zeit segensreich zu nutzen. Mit Klugheit und Geschick sorgte er dafür, dass die Lauenburgische Kirche von nationalsozialistischem Einfluss – etwa durch die sogenannten „Deutschen Christen“ – weitgehend verschont blieb. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, vermied Lange den formalen Beitritt zur Bekenntnisbewegung, wenngleich er ihre Ziele und Überzeugungen in vielem teilte. Seine Widerständigkeit zeigte sich beispielsweise darin, dass er sich 1933 mit dem Erreichen der Altersgrenze nicht pensionieren ließ, sondern noch weitere 11 Jahre im Amt verblieb.


Superintendent Langes positives Wirken erkennt man an der Ermöglichung der „Möllner Notkonfirmation“ im Jahr 1937. Der Lübecker Bischof Erwin Balzer – Mitglied der NSDAP seit 1931 – hatte nämlich in seinem Kirchenkreis den bekenntnistreuen Pastoren die Amtsführung untersagt. 163 Konfirmand*innen und deren Eltern lehnten daraufhin den Konfirmandenunterricht durch Pastoren ab, die der nationalsozialistischen Ideologie nahestanden. Für diese 163 Konfirmand*innen wurde auf eigene Initiative hin geheimer Unterricht organisiert. Durch den Einfluss Langes gab es in der Lauenburgischen Kirche Möglichkeiten, die es in Lübeck nicht mehr gab: Die Möllner Nicolaikirche konnte als Ort für die Konfirmation genutzt werden und der bekenntnistreue Flensburger Pastor Dr. Ernst Mohr führte die Konfirmation die jungen Lübecker*innen durch.


Als geradlinig erwies Superintendent Lange sich in weiteres Mal, indem er seine bischöflichen Rechte nutzte und 1938 in der Ratzeburger Sankt-Petri-Kirche 22 Vikare ordinierte. Diese waren zuvor als schleswig-holsteinische „Exil“-Theologiestudenten nach München gegangen, weil sie der Bekennenden Kirche angehörten und nur noch dort ihr Theologiestudium im traditionellen Sinn durchführen konnten. Nach Beendigung des Studiums wollten sie sich nicht von einem Bischof der „Deutschen Christen“ in Schleswig-Holstein ins Amt bringen lassen. Lange hingegen genoss das Vertrauen der jungen Theologen.
Die Wertschätzung, die die lauenburgischen Pastoren ihrem Superintendenten entgegenbrachten, kann man daran erkennen, dass diese anlässlich seines 25-jährigen Amtsjubiläums im Jahr 1939 die „Johannes-Lange-Stiftung“ einrichteten, deren Erträge zur Förderung des kirchlichen Lebens bestimmt waren. Lange zählt zu den wenigen kirchenleitenden Persönlichkeiten Schleswig-Holsteins, die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihren ursprünglichen Überzeugungen treu blieben und die eine kritische Distanz zum Regime wahrten.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.