Konzert mit Clemens Bittlinger - eine Nachlese

Die Gemeinde der St. Petri Kirche freute sich auf das Konzert „Atem-Klang der Seele“ - Clemens Bittlinger gemeinsam mit David Plüss (Orgel), Matthias Doersam (Saxofon) und David Kandert (Percussion) unterstützt vom Projektchor unter der Leitung von Martin Soberger.


Clemens Bittlinger, seines Zeichens evangelischer Pfarrer, Songschreiber, Gitarrist und Botschafter – er fängt an zu singen und hat sein Publikum beim ersten Gitarrenriff komplett im Griff. Seine Musik ist eingängig, seine Aussagen rebellisch, regt die einen auf, spricht den anderen aus tiefster Seele. Man merkt, dass er an das glaubt, wovon er redet.
Seine große Stärke ist neben seiner Singstimme  ganz klar das Vermögen, alte kirchliche Texte so auszusprechen, dass man einerseits versteht, worum es in der Christenheit eigentlich einmal gegangen sein muss, andererseits wird einem aber auch wieder vor Augen geführt, welch ideologische Schönheit geistliche Passagen im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben.

Clemens Bittlinger erklärte uns die „Perlen des Glaubens“, ein Perlenband, welches 1995 von Martin Lönnebo, einem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Schweden, entwickelt wurde.
Bischof Lönnebo saß 1995 wegen eines Sturms mehrere Tage auf einer griechischen Insel fest. Als er dort Fischer mit ihren  Kombologia (griech. kleine Kettchen aus Perlen) sah, kam ihm die Idee zu den livets pärlor (schwed. Perlen des Lebens). Zunächst entwarf er auf Papier einen frälsarkransen (schwed. Rettungsring aus Perlen), wobei er jeder Perle eine Bedeutung zuteilte. Nach seiner Rückkehr nach Schweden stellte er nach diesem Entwurf ein Perlenband her und benutzte es zum Beten. Schnell verbreitete sich seine Erfindung in Schweden.

Näfäsch ist hebräisch und bedeutet Seele, und das hören wir in dem wunderschönen song „Atem, tiefer Klang der Seele“ in Eb-Dur und bemerkenswert begleitet vom SopranSaxofon Matthias Doersam; ebenso herausragend die beiden Musiker - Percussionist David Kandert sowie David Plüss an der Orgel. Und wie immer ermuntert Bittlinger seine Besucher mit einzustimmen in seine Lieder.


Vielleicht ist es ja besonders dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, das die Menschen suchen, wenn sie in seine Konzerte strömen. Unter der Leitung von Martin Soberger verstärkte der Projektchor das sangesfreudige Publikum.

Der Text und die Musik nehmen sofort an die Hand und mit auf eine emotionale und besinnliche  Reise. Humoristische Einlagen fanden ebenso einen Platz wie nachdenkliche Töne, politische Statements oder Glaubensfragen.

Clemens Bittlinger zitierte aus seinem Buch:
„Großzügigkeit ist der Schlüssel zu einem freien Leben; nur wer großzügig ist, kann sich und anderen vergeben“.


Bei dem Lied "Aus der Tiefe", stimmte Bittlinger mit dem Publikum eine Quinte an und ermunterte die Leute, den jeweiligen Ton das ganze Stück über zu halten; brilliant improvisierte Matthias Doersam dann über diesen Quintenklang zwischen den Texten von Bittlinger.

Wunderschön klang die jazzige Version von „Amazing Grace – Von Gnade singt“ mit David Plüss an der Orgel und Matthias Doersam am AltSaxofon.
Das Publikum wird mehr und mehr zur singenden Gemeinde, so auch bei dem in Em klingenden Lied „Schalom chaverim“-
Möge Frieden sein, ihr Freunde - eine hebräische Volksweise, ein israelisches Volkslied.

„Es gibt Menschen, die glauben, Humor und Kirche passen nicht zusammen“... - Orgel und Klarinette  beginnen sehr rhytmisch und schnell das nächste Lied „Aus heiterem Himmel“.

Bittlinger erzählte humorvoll, dass das deutsche Brettspiel „Mensch, ärgere dich nicht“ in der Schweiz „Eile mit Weile“ genannt wird, und er fand so den Übergang zu David Plüss aus der Schweiz, der den Orgelspielplatz verließ, um sich mit der schweizer  „Handorgel“, dem Akkordeon, zu den anderen Musikern zu gesellen. Bei dem nun folgenden Stück „Habseligkeiten“ hörten wir die  Ukulele,  ein gitarrenähnliches Zupfinstrument, in diesem Fall mit nur vier Saiten bespannt, und eine BassUkulele, Saiten und Stimmung wie die BassGitarre, welche  ganz hervorragend mit David Kandert zum Ausdruck kam. Ein sehr nachdenklicher song...
Wenn wir mal recht überlegen, welche drei Dinge würden wir mitnehmen auf die Insel unserer Träume? Was ist wirklich wichtig?
Wieviel Kram schleppen wir mit uns herum, was häufen wir mehr oder weniger gedankenlos an?

Nun wurde es wieder stark rhythmisch mit dem Kirchentagslied von 2013 „Soviel du brauchst – Tanto Cuanto Necesistas“, ein Lied über Gottvertrauen und Bescheidenheit, die Schätze meines Lebens und die Verantwortung für die eine Welt.

Für den Evangelischen Kirchentag 2019 hat Clemens Bittlinger ein Mottolied getextet und komponiert „Was für ein Vertrauen, wenn du dich fallen lässt und dich mit Leib und Seele auf andere verlässt“. Es gibt Menschen, die wie Felsen in der Brandung stehen, es gibt Menschen, die tun anderen einfach gut.


„Wollte jemand die Botschaft der Bibel in einem Satz zusammenfassen, so könnte dieser Satz heißen – Gott möchte dein Freund sein.“ Clemens Bittlinger sang die wunderschöne Ballade „Freunde“ aus seinem Album SELTEN (1993):

             Freunde sind selten und selten bequem,
             sind manchmal kantig und unangenehm.
             Woll'n nicht gefallen, sondern zu dir gehörn,
             stehn auf der Matte, auch wenn sie grad' stör'n.

             Freunde sind leise und schauen dir zu,
             lassen dich weise, wenn nötig in Ruh',
             haben nicht nur sich selber im Blick,
             lassen dir Zeit und ziehn sich zurück.

             Freunde zu finden, ist ziemlich schwer,
             denn wer lässt sich binden und gibt von sich mehr....


Clemens Bittlinger will mit seinen songs eine Botschaft transportieren, die Botschaft von der Liebe Gottes und der zwischen den Menschen.

Nun begann mollbeschwingt die Klarinette“, und Bittlinger nahm seine Zuhörer mit in „Das wünsch ich dir“.

Äußerst bemerkenswert war Bittlingers Statement zur aktuellen Situation FRIDAYS FOR FUTURE, und er intonierte spontan sein dazu kürzlich komponiertes Stück „Jeden Freitag schwänzt die Greta ihre Schule...FFF Fridays For Future, FFF es ist noch nicht zu spät.“

Die Klarinette verzauberte das Klezmerstück in Bm „Diese schöne Traurigkeit“ und der Abend endete mit dem bekannten song „Sei behütet auf deinen Wegen“

Musik führt Menschen zusammen, sie stiftet Gemeinschaft über Generationen und Zeiten hinweg, und vielen Menschen eröffnet sie einen Zugang zum Glauben. Wir durften einen ganz besonderen Konzertabend erleben, an den wir noch lange denken werden;

 

                                    

in diesem Sinne
Christa Weyres-Haubenreißer

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